Klimabedingte Veränderungen des Waldes sorgen zunehmend für Konflikte zwischen Forstleuten und Bürger*innen, die sich in waldbezogenen Bürgerinitiativen organisieren. Die im Projekt „Waldeslust statt Waldesfrust! Grundlagen für einen konstruktiven Dialog in waldbezogenen Konflikten“ entstandenen Medienbausteine (Karikaturen, ein animierter Erklärfilm und Portraits von waldengagierten Menschen) sollen Verständnis und Wertschätzung für unterschiedliche Sichtweisen schaffen, den konstruktiven Dialog in Konflikten um den Wald fördern und einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen.

Waldeslust statt Waldesfrust: Botschaften von Forstleuten an Bürgerinitiativen
© FVA Baden-Württemberg / Illustration von Michael Tewiele

Ausgangslage

Durch den Klimawandel bedingte Dürren, Hitze und Extremwetter haben das Waldbild deutlich gezeichnet. Menschen, egal ob Erholungsuchende oder Forstleute, sorgen sich um den Wald. Dabei gibt es verschiedene Sichtweisen, wie der "richtige" Umgang mit unseren Wäldern auszusehen hat. Sie beziehen sich auf Fragen danach, wie unsere Wälder geschützt und bewirtschaftet werden sollen, um sie für die Zukunft zu erhalten. Darüber, welche Maßnahmen hierbei sinnvoll sind und wie sich die vielen verschiedenen Interessen in Bezug auf den Wald miteinander vereinbaren lassen, lässt sich streiten. Dies sorgt für eine wachsende Zahl an Konflikten zwischen Forstleuten und waldbezogenen Bürgerinitiativen. Leider wird ein konstruktiver Austausch zwischen den Beteiligten oft durch gegenseitiges Misstrauen, mangelnde Wertschätzung und ein fehlendes Verständnis für die Sichtweisen des Gegenübers erschwert.

Waldeslust statt Waldesfrust: Botschaften von Bürgerinitiativen an Forstleute
© FVA Baden-Württemberg / Illustration von Michael Tewiele

Umsetzung

Umfragen in Baden-Württemberg zeigen, dass Menschen sich der Waldlandschaft emotional sehr verbunden fühlen, sodass die Sorge um das Wohlergehen der Wälder groß ist (siehe auch „Mensch-Wald-Monitor“ der FVA Baden-Württemberg).

 

Hieraus resultieren Konflikte um den Wald, die jedoch nicht ausschließlich forstfachliche Fragen adressieren. Die Bedürfnisse, Interessen, Werte und Weltanschauungen der an den Auseinandersetzungen beteiligten Menschen spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle. Für einen erfolgreichen und konstruktiven Dialog ist es wichtig, diese nachvollziehen und so ein gewisses Verständnis füreinander entwickeln zu können.

 

Genau hier setzt das Projekt „Waldeslust statt Waldesfrust! Grundlagen für einen konstruktiven Dialog in waldbezogenen Konflikten“ an, das als eine Maßnahme der Waldstrategie Baden-Württemberg 2050 vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) finanziert wurde.

Im Rahmen diverser Workshops brachten Forstleute und Engagierte aus Bürgerinitiativen ihre Perspektiven auf waldbezogene Konflikte ein und in einem partizipativen Prozess wurden verschiedene Medienbausteine erarbeitet.

 

Die Teilnehmenden entwickelten zunächst jeweils sechs Botschaften, die sie "der anderen Seite" gerne mitteilen wollten und die aus ihrer Sicht waldbezogene Konflikte am treffendsten abbildeten. Basierend auf diesen Botschaften erstellte Mediendesigner Michael Tewiele im Anschluss erste Skizzen für Karikaturen. Letztere wurden von den Workshopteilnehmenden in darauffolgenden Workshops weiterentwickelt und durch erklärende Texte ergänzt.

 

Ein Beratungsgremium, bestehend aus Expert*innen und Vertreter*innen aus Forst, Waldbesitz, waldbezogenen Bürgerinitiativen, Naturschutzkommunikation sowie Öffentlichkeitsarbeit und Mediation begleitete diesen Prozess. Das Gremium gestaltete die Ausrichtung des Projekts mit und beriet bezüglich einer möglichen Vernetzung und des bundesweiten Nutzens der Projektergebnisse.

 

Das Ergebnis dieses Beteiligungsprozesses besteht aus den in den Workshops gemeinsam erarbeiteten Botschaften und Karikaturen, einem animierten Erklärfilm sowie Portraits von Forstleuten, Engagierten aus Bür­ger­initia­ti­ven und In­itia­ti­ven zur ak­ti­ven Wie­der­be­wal­dung. Damit sollen sowohl Engagierte als auch Forstleute und andere Konfliktbeteiligte dabei unterstützt werden, eine wertschätzende Kommunikation und einen konstruktiven Dialog zu fördern und zu etablieren.

 

Die Medien können über die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt für verschiedene Veranstaltungen ausgeliehen werden. Zudem liefert die aus dem Projekt entstandene Handreichung kreative Ideen, wie die verschiedenen Medienbausteine in Beteiligungsprozessen und anderen partizipativen Formaten genutzt werden können.

Beteiligte

  • Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
  • Vertreter*innen aus Forst, Waldbesitz, waldbezogenen Bürgerinitiativen, Naturschutzkommunikation sowie Öffentlichkeitsarbeit und Mediation

Was Sie mitnehmen können:

  • Bilder und andere kreative Ansätze sowie eine Portion Humor können erfolgreich zu einem Perspektivwechsel anregen, dazu beitragen, den eigenen Standpunkt mit einem Schmunzeln zu reflektieren und das Verständnis füreinander zu fördern.
  • Gerade wenn Humor in Form von Karikaturen genutzt wird, um Konflikte zu bearbeiten und zu reflektieren, bedarf es eines sensiblen Vorgehens, um die Grenzen und Interessen der Beteiligten zu wahren.
  • Für den partizipativen Prozesses ist es wichtig, alle Perspektiven gleichermaßen einzubeziehen und keine Schlüsselakteur*innen zu vergessen.
  • Für die Erarbeitung eines gemeinsamen Ergebnisses, das von allen mitgetragen wird, ist es entscheidend, genug Zeit für Feedbackschleifen einzuräumen.
  • Ein unabhängiges Expert*innengremium, das die Prozesse mit dem nötigen Abstand und Weitblick begleitet, ist in konfliktgeprägten Projekten und Beteiligungsprozessen von großer Bedeutung.
  • Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel

    Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
    Wonnhaldestraße 4 · D-79100 Freiburg

    Kristina Wirth 
    – Projektleitung
    E-Mail: Kristina.Wirth@forst.bwl.de

    Wiebke Hebermehl
    – Projektbearbeitung
    E-Mail: Wiebke.Hebermehl@forst.bwl.de

  • Links & Download:

    Projektwebseite „Waldeslust statt Waldesfrust! Grundlagen für einen konstruktiven Dialog in waldbezogenen Konflikten“ mit...

    • Übersicht über ausleihbare Medien und Link zum animierten Erklärfilm
    • Download der Handreichung mit Anregungen zur Einbindung der Materialien aus dem Projekt in Seminare, Dialogveranstaltungen und Beteiligungsprozesse

     

    Zum Weiterlesen 

    Dieser Text wurde im Projekt WaldWegweiser in Zusammenarbeit mit Tour Konzept eG ausgearbeitet.