Erdgeschichte zum Eintauchen – eine Landschaft voller Überraschungen. Von Solebädern über Saurierfährten bis zum flachen Norden mit trutzigen Dorfkirchen und sagenhaften Pfaden.
„Für mich ist Wandern die beste Art abzuschalten. Die unruhige weltpolitische Lage und persönliche Herausforderungen rücken in den Hintergrund. Frische Luft und die moderate körperliche Anstrengung, die herrlichen Ausblicke und die kleinen Schätze am Wegesrand rücken alles in ein anderes Licht. Blumen, das frische Frühlingsgrün und das wunderbar wanderbare Osnabrücker Land machen den Kopf frei.“
WO TERRA.TRACKS ZU NATURATTRAKTIONEN FÜHREN
Die drei Kurorte Bad Rothenfelde, Bad Laer und Bad Iburg sind über Wanderwege verbunden. Über den „Kleinen Berg“, ein Ausläufer des Teutoburger Waldes, kann man von Bad Rothenfelde in rund sieben Kilometern nach Bad Laer wandern. Der „Ahornweg“ verbindet die Gemeinden und führt hier durch ein artenreiches und geschütztes Gebiet. Mit etwas mehr Ehrgeiz lässt sich bis nach Bad Iburg weitergehen, nochmals sieben Kilometer entfernt. Selbstverständlich, so versteht es sich im klassischen Kurort, sind auch kürzere Rundwege gut ausgeschildert. 86 Spazier- und Wanderwege sind inzwischen als „TERRA.tracks“ ausgewiesen, sie erschließen die Besonderheiten des Natur- und UNESCO-Geoparks „TERRA.vita“. Einheitlich gekennzeichnet mit rot-weißem Emblem, sind es nicht nur abwechslungsreiche Wege, sondern häufig auch Lehrpfade und Erlebnisstrecken, die Urlauber und selbst Einheimische zu Entdeckern machen. In Bad Rothenfelde führt beispielsweise der TERRA.track Lüdenscheid zum Aussichtsturm Lüdenscheid und der Bismarckhütte, wo sich trefflich einkehren lässt.
WO WANDERN UND GENIESSEN HAND IN HAND GEHEN
Der rund sieben Kilometer lange TERRA.track „GenussKulTour“ im Soleheilbad Bad Laer führt an Attraktionen wie der Kirchhofsburg mit dem „Grauen Turm“, der seit mehr als 1000 Jahren den Ort überragt, vorbei. Seine Robustheit verdankt er dem „Piepstein“ aus kalkigen Verkrustungen. Den besonderen Reiz der Tour machen die regionalen Erzeuger aus: zum Beispiel die Bäckerei Meyer, ein kulinarischer Botschafter Niedersachsens, oder der Hofladen im Ferienhof Holkenbrink. Die Fleischerei Lauhoff fertigt Solemettwurst mit dem regionalen Salz. Auch in Hotels und Restaurants lässt sich einkehren, und überall gibt es Spezialitäten.
WO DIE FÜRSTBISCHÖFE RESIDIERTEN
Bad Iburg wird von zwei Höhepunkten überragt. Schloss Iburg wurde ursprünglich im 11. Jahrhundert als Benediktinerkloster gegründet und war später Residenz der Osnabrücker Fürstbischöfe. Typisch für das Osnabrücker Land: Die Iburg beherbergt zwei Kirchen. Die katholische einstige Klosterkirche St. Clemens sowie die evangelische Schlosskirche. Möglich wurde dieses konfessionelle Nebeneinander durch eine Osnabrücker Sonderregelung in den Westfälischen Friedensverträgen: Ab 1650 wechselten sich auf dem Bischofsstuhl katholische und evangelische Landesherren ab, bis das Fürstbistum 1802 aufgelöst wurde.
Auf dem Baumwipfelpfad findet man sich auf Augenhöhe mit dem Wald. An 30 Erlebnisstationen erfährt man Wissenswertes zu Flora, Fauna, Geologie und Geschichte. Mit einer App lässt sich beispielsweise ein Fledermausschwarm entdecken.
Am „Malepartus“, ein zehn Kilometer langer TERRA.track, lässt sich mit einer Rast in der gleichnamigen Waldwirtschaft verbinden – mit bayerischer Küche und fluffigen Windbeuteln. Auf dem Track „Kneipp to go“ geht es zunächst entlang des renaturierten Kolbachs, der mit kleinen Buchten zum Wassertreten einlädt. Dann zieht der Weg stetig nach oben auf den 331Meter hohen Dörenberg. Nochmals zwanzig Meter Treppenstufen sind es auf den fantasievoll bemalten Hermannsturm und schon genießt man den 360-Grad-Ausblick auf 352 Metern Höhe. Der höchste Punkt im nördlichen Teutoburger Wald!
WO ALLEEN UND ALTE DÖRFER BEZAUBERN
Umgeben von einem grasbewachsenen Kirchhof, ruht die Alte St. Alexanderkirche ganz in sich. Karl der Große soll sie gegründet haben, und er ließ eine Henne auf dem Kirchturm aufstellen, „die möglichst viele Christen ausbrüten solle“, wie es in der Legende heißt. Zu der Zeit war die Christianisierung der Region noch nicht vollkommen ... Zur Kirche sollten alle gelangen, auch die Bauern, die hinter den sumpfigen Wiesen wohnten, und so wurde früh ein Bohlenweg angelegt. Hinter der Kirche geht er los, jüngst wurde er wieder erneuert. Auf dem TERRA.track „Alte Bauernschaft“ mit Start in Wallenhorst erfährt man mehr über Geschichte und Landschaft: Eichen, Birken und Kiefern bilden die Wälder, der Boden ändert sich, die Landschaft wird flacher. Beim Überqueren des Mittellandkanals meint man die Nordsee zu ahnen.
WO DIE NATUR SPANNENDE FACETTEN BIETET
Am Alfsee muss man erst einmal über einen Deich klettern, um den See zu Gesicht zu bekommen. Vorausschauend wurde er als Hochwasserrückhaltebecken angelegt, und das schon in den 1970er-Jahren. War das Wasserbecken lange Freizeitareal, wurde der Segel- und Wassersport inzwischen massiv eingeschränkt, sodass sich über hundert verschiedene Vogelarten einfanden, darunter auch ein Seeadlerpaar. Ein Schaubild im brandneuen Naturschutz- und Bildungszentrum (nbz) zeigt eine Auswahl.
„Ich wohne ganz in der Nähe und möchte keineswegs wegziehen. Das Naturschutzgebiet ist zu schön, zu spannend.“
Nur wenige Kilometer von Rieste entfernt, erinnert bei Ankum ein Steingräberfeld an die Vergangenheit. Ein Relikt der Megalithkultur. Erste Zeichen der Sesshaftigkeit und heute mit die ältesten Monumente in Europa. Der TERRA.track „Alkenkuhle“ und der Hünenweg verbinden mehrere der Gräber.
Ein riesiger Schriftzug an der Schlossmauer weist Fürstenau als Hansestadt der Westfälischen Hanse aus. Genau wie Bad Iburg oder Münster, auch diese beiden gehörten im Mittelalter zum Handelsverbund. Lohnend ein Spaziergang im Schlosspark, der zugleich zum Skulpturenpark wurde, idyllische Plätze am wassergefüllten Schlossgraben laden zum Rasten ein. Natürlich startet auch hier ein TERRA.track, der »Fürstenauer Patt«.
WO GESCHICHTE GEOLOGIE TRIFFT
In Osnabrück bietet Gästeführer Carsten Niemeyer fachkundige Begleitung. Er zeigt nicht nur den Friedenssaal im Rathaus zu früher Stunde, sondern hat auch den Schlüssel für den Turm St. Marien. Denn zugleich ist er Messmer der evangelischen Kirche – und Fußballfan. Des VfL Osnabrück, ganz klar. Da muss man einiges aushalten können. Also zuletzt rauf auf die Kirche, und das geht nur zu Fuß. Doch der Rundgang auf dem Turm, freie Sicht in alle vier Himmelsrichtungen, entschädigt für alles. Nun zeigt sich von oben, was man über die letzten Tage ergründet hat: Auf der einen Seite der Teutoburger Wald, auf der anderen Seite das Wiehengebirge. Zwei Höhenzüge, die als Fernwirkung entstanden, als sich zwischen Spanien und Frankreich die Pyrenäen aufwölbten. So entstanden auch hier Gebirgsfalten, und vormals horizontale Schichten befinden sich nun steil aufgestellt an der Erdoberfläche. Und dann scheint es eben, als würden die Dinosaurier den Berg hinauflaufen.
„Im Osnabrücker Land kann man tief in die Erde gucken, ohne graben zu müssen“
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Luftbild des Gradierwerks in Bad Rothenfelde © Vincent CroceDas „Neue Gradierwerk“ steht mitten in Bad Rothenfelde und ist nicht zu übersehen: 412 Meter lang, rund zehn Meter hoch und an einem Ende von einer sogenannten Windkunst bekrönt. 1824 wurde das „neue Werk“ in Betrieb genommen, ein älteres und kleineres stammt aus dem Jahr 1777. Die Salzquelle wurde 1724 entdeckt und ist der Bodenschatz, dem der Ort seine Existenz verdankt.
Das Gradierwerk muss man ergründen, die salzige Luft einatmen, die an die nicht allzu weite Nordsee erinnert, Eine Pforte öffnet sich zu einer schmalen, feuchten Holztreppe. Sie führt hinauf ins Freie tritt. Was für ein Blick übers Land, was für ein Blick über das Gradierwerk. Wie bei vielen Mühlen in Holland dienten auch diese als Kraftwerk und pumpten das salzhalte Wasser nach oben. Dann rieselte die Sole die dicken Wände aus Schwarzdorn hinunter, wurde wieder emporgepumpt, bis der Salzgehalt auf rund 25 Prozent angestiegen war. Im Siedehaus standen sieben Pfannen unter Dampf, die letztlich das reine Salz siedeten, mit einer ganzen Menge Koks und rauchenden Schornsteinen. 1969 wurde die Produktion eingestellt und der Salinenhof abgerissen. Das Gradierwerk blieb stehen und das salzhaltige Wasser rieselt und verdunstet noch immer: ein Industriedenkmal und eine Attraktion für Kurgäste. – wie auch das Café Coeur’chen. Ein Ort der die Seele mit einer Liebesgeschichte wärmt: Stanislas Moriani, gebürtig in Cannes, aber mit einem Papa aus Neapel, ließ sich wegen seiner Frau Steffi im Kurort nieder. Die beiden führen die Brasserie nun seit bald zehn Jahren, sorgen mit Flammkuchen und Galettes, Tartes und Torten für einen Hauch Frankreich im Osnabrücker Land.
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Haifischzähne im Bildungszentrum Kuhlhoff Bippen © Bildungszentrum Kuhlhoff BippenIn Bippen mit seinem Bildungszentrum Kuhlhoff, kann man Relikte der Urzeit ergraben. Hier können Schulklassen in einfachen Hütten wohnen, bei Vollpension sind sie meist zwei Tage da. Das Programm ist ganz klar: »HaiTec in der Urzeit« heißt es und bietet einen Einblick in die Erdgeschichte, den die wenigsten vergessen werden. Aus 44 Millionen Jahre alten Kiessandschichten der Ur-Nordsee, die in der Eiszeit vor rund 190 000 Jahren durch Gletscher an die Oberfläche gedrückt wurden, werden Haizähne geschürft. Ähnlich der Goldwäscher geht man mit Sieben vor, spült und schüttelt und schaut: Die Zähne kommen zwischen dem Kies hervor, hart, scharf und gut erhalten. 44 Millionen Jahre alt, welches Wunder.
Auch Familien können kommen: Ein Film zeigt die Erdgeschichte im kleinen Kino, ein neu gestaltetes digitales Museum lädt zum Forschen ein. Anschließend lässt sich auf dem »Eiszeit-Entdeckerpfad« ausschreiten, der Track beginnt direkt am Bildungszentrum. Wer bei den großen Tafeln genau hinsieht, erkennt oft auch einen QR-Code. Er erschließt die TERRA.vista-Hörspiele an Aussichtspunkten und erfreut auch Jugendliche.
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Die Saurierfährten im Osnabrücker Land gehören zu den bekanntesten geologischen Phänomenen. © Klaus HerzmannEin absolutes Geo-Highlight findet sich in Barkhausen, das zu Bad Essen gehört. Am TERRA.track „Megalosaurus“ liegen versteinerte Fährten von Dinosauriern. Begrüßt werden Besucher von lebensgroß nachgebildeten Dinos. Die Pflanzenfresser verfügten über einen kräftigen langen Schwanz, mit dem sie ihr Gleichgewicht halten konnten, um beispielsweise an höhere Äste zu gelangen. Von anderer Statur waren die jagenden Fleischfresser, die mussten ja beweglich sein. Mindestens elf Saurier wanderten über eine vom Urmeer überflutete Sandbank und haben dabei ihre Fährten hinterlassen. Vor 155 Millionen Jahren war es hier flach, die Erde faltete sich erst später auf, und ein schlauer Arbeiter im frühen 20. Jahrhundert entdeckte im Steinbruch die ungewöhnlichen Abdrücke. Von Bad Essen aus sind es rund sieben Kilometer bis zu den Saurierfährten, und auch der Solekurort selbst lohnt einen ausgedehnten Besuch. Der historische Ortskern wird von Fachwerkbauten dominiert, der Marktplatz gehört zu den schönsten der Region. An der Kirche gut erhaltene Grabplatten, ein Fürstenpaar strahlt tiefe Ruhe aus. Sehr passend für einen Ort, der sich der internationalen Vereinigung Cittaslow angeschlossen hat, der „lebenswerten Städte“. Slow Food gehört dazu, also ehrlich und liebevoll gekochtes Essen mit regionalen Zutaten. Bad Essen verfügt über eine Salzquelle mit hohem Mineralgehalt. In der Touristinfo lassen sich kleine Wassergläser mit Proben des Urmeersalzes kosten und an der fein geschwungenen SoleArena im Kurpark die salzig feuchte Luft atmen.
https://www.osnabruecker-land.de/tour/terratrack-megalosaurus
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