Wandern als wirtschaftlicher und gesundheitlicher Faktor

Wenn sich in Berlin die internationale Tourismusbranche trifft, geht es meist um Flugrouten, Städte und große Destinationen. Doch auch das Gehen spielt eine Rolle. Auf der Internationale Tourismus-Börse Berlin war der Deutscher Wanderverband mit seiner Service GmbH unterwegs, um über ein Thema zu sprechen, das für viele Regionen wirtschaftlich bedeutend geworden ist: Wandern.

DWV-Geschäftsführer Hartmann und die Mitarbeiter*innen der Deutscher Wanderverband Service GmbH im Gespräch der ITB
DWV-Geschäftsführer Hartmann und die Mitarbeiter*innen der Deutscher Wanderverband Service GmbH im Gespräch der ITB | © Deutscher Wanderverband

Im Mittelpunkt standen Gespräche zur Qualitätsinitiative Wanderbares Deutschland. Vertreter des Verbandes trafen Partner aus Tourismus, Politik und Wissenschaft, darunter die Deutsche Zentrale für Tourismus, die TourismusMarketing Niedersachsen GmbH und den luxemburgischen Tourismusminister Lex Delles. Auch der Austausch mit dem Deutschen Tourismusverband gehörte zum Programm, etwa mit Blick auf gemeinsame Positionen bei der Reform des Bundeswaldgesetzes.


Ein weiterer Termin führte in die Wissenschaft. Bei einem Treffen mit Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack von der Ostfalia Hochschule standen aktuelle Entwicklungen im Wandertourismus im Mittelpunkt. Diskutiert wurden Trends aus dem Wandermonitor Deutschland, der regelmäßig untersucht, wer wandert, warum Menschen aufbrechen und wie sich Erwartungen an Wege, Infrastruktur und Naturerlebnis verändern. Die Ergebnisse zeigen, dass Wandern längst mehr ist als ein Freizeitvergnügen. Für viele Regionen ist es ein stabiler touristischer Markt.


Die Zahlen sind deutlich. Rund 69 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung wandern zumindest gelegentlich. Wandernde geben in Deutschland jährlich rund 7,8 Milliarden Euro in den Regionen aus, vor allem für Gastronomie, Einkauf und Übernachtungen. Für Destinationen gewinnen daher Qualitätswege, Qualitätsregionen und Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland zunehmend an Bedeutung.


Gleichzeitig wird in Berlin auch über den gesundheitlichen Nutzen gesprochen. Beim parlamentarischen Abend der Deutschen Zentrale für Tourismus ging es um Studien, die zeigen, dass regelmäßiges Wandern ähnlich positive Effekte haben kann wie klassischer Sport.


DWV-Geschäftsführer Dr. Bernd Hartmann sieht darin eine klare Perspektive. „Wandern verbindet Bewegung, Naturerlebnis und regionale Wertschöpfung. Genau deshalb ist es wichtig, diese Form der Bewegung auch politisch stärker als Sport wahrzunehmen“, sagte er. „Auf der ITB sprechen wir mit Akteuren aus Tourismus, Politik und Wissenschaft, damit Wanderangebote weiter an Qualität gewinnen.“


Dass sich diese Arbeit auszahlt, zeigt der Blick in die Regionen. Über 1.200 zertifizierte Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland haben sich auf Wandernde eingestellt, es gibt bundesweit 122 lange Qualitätswege Wanderbares Deutschland mit insgesamt 12.350 Kilometern sowie 252 kurze Qualitätswege Wanderbares Deutschland mit 2.600 Kilometern. Hinzu kommen neun Qualitätsregionen Wanderbares Deutschland mit einer Gesamtfläche von 6.800 Quadratkilometern. 


Und ganz wichtig: In Deutschland betreuen rund 20.000 ehrenamtliche Wegezeichner etwa 200.000 Kilometer markierte Wege. Sie schaffen die Grundlage für einen Tourismus, der Naturerlebnis, Bewegung und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbindet.


Die Gespräche in Berlin zeigen, wie eng diese Themen heute zusammengehören. Wandern ist Freizeit, Gesundheitsvorsorge und Wirtschaftsfaktor zugleich. Für viele Regionen ist es längst ein Teil ihrer Zukunftsstrategie.

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