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Wanderland

Eine Reise durch die Geschichte des Wanderns auf 900 Quadratmetern. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg öffnet ab dem 29. November die Wanderlandschaft.

Wandern ist in. Fast 70 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung wandert, Wandern ist die beliebteste sportliche Aktivität von Deutschlandurlaubern – vor Radfahren und Schwimmen. Woher kommt diese Begeisterung? Wie veränderte sich das Wandern in den vergangenen 200 Jahren? Wie setzen sich Künstler damit auseinander? Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg antwortet darauf ab dem 29. November in einer 900-Quadratmeter-Indoor-Wanderlandschaft. Die große Sonderausstellung Wanderland gibt mit rund 400 Exponaten einen Überblick über 200 Jahre Geschichte des Wanderns. 

 

In der Romantik begann das Wandern allmählich populär zu werden und wandelte sich seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zum Freizeitvergnügen. Fester Bestandteil des bürgerlichen Lebens war es bereits im 19. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert wurde es vielfach politisch instrumentalisiert. Im Nationalsozialismus etwa zielte es auf militärische Körperertüchtigung. Heute ist das Wandern auf der einen Seite Massenbewegung, auf der anderen Seite bietet es immer noch kleine Fluchten vom Alltag.

Dr. Claudia Selheim,  Leiterin des Nürnberger Ausstellungsprojektes: „Gemälde, Skulpturen, aber auch Gesellschaftsspiele und Wanderequipment zeugen in der Ausstellung von der kontinuierlich steigenden Popularität dieses Freizeitvergnügens.“ Parallel dazu wuchs die Infrastruktur, was in der Ausstellung detailliert ausgeführte Wanderkarten, Wegweisungen und Plaketten für Wanderrouten sowie Wanderführer mit Empfehlungen für Einkehrmöglichkeiten veranschaulichen. Die Möblierung der Landschaft setzte im 19. Jahrhundert ein und strukturierte die Natur so, dass sich Touristen leichter zurecht fanden: Wege werden gebahnt, Wegweiser gesetzt, Bänke gebaut, Übernachtungsquartiere eingerichtet, Aussichtstürme errichtet. Vielerorts waren Wandervereine Motoren dieser Entwicklung. 1864 wurde der Badische Schwarzwaldverein als erster deutscher Wanderverein gegründet. In der Folge entstanden rasch weitere Vereine. Ihnen gehörten meist Mitglieder des Bildungsbürgertums, Wirte, Industrielle sowie Kommunen an. Sie alle besaßen ein wirtschaftliches Interesse an einer guten Infrastruktur in den oft rückständigen Regionen. Selheim: „Mit Wegetafeln, Vereinssymbolen, Anstecknadeln und Fahnen betrieben die Vereine damals eine recht erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit.“ Auch Zeitschriften banden die Mitglieder fester an die Vereine und boten vielseitige populäre wie wissenschaftliche Beiträge. Sie spiegelten die Geselligkeit auf Wanderungen, Vorträgen und Festen wider.

Natürlich thematisiert die Nürnberger Ausstellung die Bedeutung der Wandervereine. Das Bild „Der ruhende Wanderer“ von Max Slevogt aus dem Jahr 1920 etwa zeigt einen der Mitbegründer des 1902 in Ludwigshafen ins Leben gerufenen Pfälzerwald-Vereins: Nach einer Wanderung ruht sich Heinrich Kohl in hellem Anzug mit Hut in impressionistischer Manier auf dem Neukasteler Felsen aus, in der Ferne sind die Höhenzüge des Pfälzerwaldes zu sehen. Kohl bahnte und markierte neue Wege, maß sie mit einem Tachometer und erarbeitete acht bis heute als vorbildlich geltende Blätter der Wanderkarte Pfalz. Er gab auch Hinweise für die Gestaltung von Wegweisern und Warnschildern, plante mit Ortsgruppen des Vereins Schutzhütten, Waldhäuser und Türme. Dass das Wandern zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur kollektiven, geselligen Unternehmung wurde, zeigt die Fotografie „Vereinswanderung“ aus dem Jahr 1905 anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Riesengebirgsvereins. Zu sehen sind rund 400 Männer und Frauen bei der Einweihung des Jubiläumsweges auf der Schneekoppe.

Einen festen Platz in der Ausstellung hat die Arbeit des Deutschen Wanderverbandes (DWV). Selheim: „Das Kuratorenteam musste eine Auswahl treffen stellvertretend für die vielen DWV-Initiativen, die bis heute das Wandern prägen.“ So finden sich im Wanderland Exponate zur Entstehung der Wandererparkplatzschilder, die im Jahr 1967 auf Betreiben des Deutschen Wanderverbandes und des ADAC in Deutschland eingeführt wurden sowie zu den Qualitätswegen Wanderbares Deutschland.

Welche Auswirkungen der technische Fortschritt beim Thema Wandern hatte und hat, zeigt die Ausstellung nicht nur anhand von Wanderschuhen, Rucksäcken und Funktionsjacken, die mit der Zeit immer praktischer und leichter wurden. „Im World Wide Web lassen sich aus der Egoperspektive gefilmte Wanderungen in Echtzeit abrufen. Auf Instagram posten Wanderer spektakuläre Naturfotografien. Interaktive digitale Medien schaffen mit Virtual Reality besondere Wandererlebnisse“, sagt Selheim. In Nürnberg wandern die Besucher mithilfe eines 360-Grad-Videos des Baumwipfelpfads Saarschleife virtuell über diesen Pfad. An Wipfeln von Buchen und Douglasien vorbei geht es hoch über dem Waldboden in Richtung des berühmten Durchbruchtals, auf das der 42 Meter hohe Aussichtsturm des Pfads Ausblick gewährt. Der Besucher kann per Kopfbewegung seine Perspektive verändern und so die Situation nahezu lebensecht erleben. Faszinierend im Wanderland sind auch die Aufnahmen der „German Roamers“, deren Instagram-Fotos von einzigartigen Naturschönheiten motivisch an Landschaftsgemälde der Romantik anschließen.

 

Doch was sind nun die eigentlichen Anlässe, um sich in die Natur zu begeben? „Wandern wurde und wird geschätzt als Gemeinschaftserlebnis, es dient der Gesundheit und als Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag, als Moment der Selbstvergewisserung, der Unterhaltung – und ist natürlich ein stetig wachsender Wirtschaftsfaktor“, so Selheim. Die Nürnberger Ausstellung zeigt es.


von Jens Kuhr



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