Der Deutsche Wanderverband hat in Düsseldorf Anfang September „Qualitätswege“ und „Qualitätsregionen Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Klimawandel und Extremwetter stellen die Wegearbeit vor neue Aufgaben.
Gute Wanderwege erkennt man nicht nur an einer schönen Landschaft. Sie brauchen eine nachvollziehbare Führung, verlässliche Markierungen, Natur- und Kulturerlebnisse sowie eine Infrastruktur, auf die sich Wandernde verlassen können. Bei der Zertifizierungsveranstaltung des Deutschen Wanderverbandes (DWV) am 2. September auf dem CARAVAN SALON in Düsseldorf sind erneut zahlreiche Wege und Regionen mit dem Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet worden. Zugleich zeigt die Entwicklung, wie sehr sich die Anforderungen an Wegearbeit durch Klimawandel und Extremwetter verändern.
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Das Qualitätssystem des Deutschen Wanderverbandes bietet Wandernden eine verlässliche Orientierung bei der Auswahl von Wegen und Regionen.
Nach der Zertifizierung 2026 in Düsseldorf während dem CARAVAN SALON gibt es bundesweit:- 122 lange Qualitätswege
- 12.348,7 Kilometer lange Qualitätswege
- 261 kurze Qualitätswege
- 2.717,29 Kilometer kurze Qualitätswege
- neun Qualitätsregionen
- rund 6.800 Quadratkilometer Fläche der Qualitätsregionen
Nach der diesjährigen Zertifizierung gibt es bundesweit 122 lange Qualitätswege Wanderbares Deutschland mit einer Gesamtlänge von 12.348,7 Kilometern. Hinzu kommen 261 kurze Qualitätswege mit insgesamt 2.717,29 Kilometern. Neun Regionen tragen das Zertifikat „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ und umfassen zusammen eine Fläche von rund 6.800 Quadratkilometern. Damit gehört das Qualitätssystem des Deutschen Wanderverbandes zu den umfangreichsten Instrumenten für die Überprüfung und Entwicklung von Wanderangeboten in Deutschland. Für Wandernde bedeutet das vor allem Orientierung. Auf die Qualität zertifizierter Wanderangebote können sie sich verlassen. Ein Qualitätsweg muss ein festgelegtes Prüfverfahren durchlaufen. Bewertet werden unter anderem Wegführung, Untergrund, Markierung, Landschafts- und Kulturerlebnisse, Rastmöglichkeiten sowie die Erreichbarkeit von Start und Ziel. Bei kurzen Qualitätswegen gibt es zusätzlich thematische Kategorien wie „familienspaß“, „komfortwandern“ und „naturvergnügen“.
„Das Wanderangebote in Deutschland ist heute ausgesprochen vielfältig und hochwertig“, Daria Regozini aus dem Qualitätsmanagement „Wanderbares Deutschland“
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Ein Qualitätsweg muss ein festgelegtes Prüfverfahren bestehen. Zu den Kriterien gehören unter anderem:
- abwechslungsreiche Wegeführung und möglichst geringe Asphaltanteile
- Naturattraktionen und kulturelle Sehenswürdigkeiten
- lückenlose und nachvollziehbare Markierung
- Rast- und Einkehrmöglichkeiten
Neu hinzugekommen sind in der positiven Bewertung Wasserspender und Toiletten am Wegesrand. Bei kurzen Qualitätswegen gibt es zusätzliche Kategorien wie „familienspaß“, „komfortwandern“ und „naturvergnügen“. Die Kriterien orientieren sich an den Bedürfnissen der Wandernden. Die Wege werden regelmäßig erneut geprüft.
Daria Regozini aus dem Qualitätsmanagement Wanderbares Deutschland beim Deutschen Wanderverband kennt die Entwicklung aus der täglichen Arbeit. Mit der Zertifizierung werde sichtbar, „wie vielfältig und hochwertig die Wanderangebote in Deutschland inzwischen sind“. Entscheidend sei dabei nicht allein das Zertifikat, sondern die regelmäßige Überprüfung der Wege vor Ort.
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Auszeichnungen liegt in Rheinhessen. Dort wurden fünf Hiwweltouren erstmals als „Qualitätswege Wanderbares Deutschland“ zertifiziert: Alsheimer Hohlwege, Vorholz, Wißberg, Saulheimer Hölle und Wasserturm. Die Touren führen durch die für Rheinhessen typischen Hügellandschaften und verbinden Weinbau, Natur und Kulturlandschaft. Die Alsheimer Hohlwege beispielsweise führen auf 14,1 Kilometern durch ein Netz charakteristischer Lösshohlwege.
Eine besondere Anerkennung gilt der Region Edersee in Nordhessen. Sie wurde erneut als „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Auf knapp 600 Quadratkilometern bietet die Destination eine große Vielfalt an Wanderwegen. Das Zusammenspiel der beteiligten Akteure ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs. Naturpark Kellerwald-Edersee, Nationalpark Kellerwald-Edersee und Edersee Touristik stimmen ihre Arbeit eng miteinander ab. Die Region verfügt über mehr als 2.000 Kilometer beschilderte Wanderwege und zahlreiche wanderfreundliche Gastbetriebe. 16 kürzere Qualitätstouren und drei mehrtägige Qualitätswege gehören zum Angebot. Die erneute Zertifizierung zeigt zugleich, dass eine Qualitätsregion nicht mit einer einmaligen Auszeichnung fertig ist. Wegeführung, Beschilderung, Infrastruktur und touristische Angebote müssen dauerhaft gepflegt und weiterentwickelt werden. Gerade in einer Region, in der Naturpark, Nationalpark und Tourismus eng zusammenarbeiten, lässt sich dieser Ansatz gut erkennen.
Die regelmäßige Überprüfung gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil sich die Bedingungen im Gelände verändern. Starkregen kann Wege beschädigen, Trockenheit und Borkenkäfer können Waldbestände verändern, Brände können Strecken kurzfristig unpassierbar machen. Liane Jordan, Leiterin des Qualitätsmanagements Wanderbares Deutschland und Leading Quality Trails – Best of Europe beim Deutschen Wanderverband: „Die Pflege und Weiterentwicklung der Wege ist anspruchsvolle Arbeit, die Professionalität und Engagement erfordert. Gerade bei Starkregen, Waldschäden oder Bränden zeigt sich, wie gut eine Region auf solche Einflüsse vorbereitet ist und wie sie trotz einschneidender Ereignisse ein sicheres und verlässliches Wanderangebot garantieren kann.“
Wie schnell sich eine Situation ändern kann, zeigt der Wanderweg „Venntrilogie“ im Hohen Venn in Ostbelgien. Nach einem Brand mussten Teile der Strecke gesperrt werden. Inzwischen sind fünf der sechs Etappen wieder begehbar, eine Etappe bleibt wegen der Brandschäden geschlossen. Solche Ereignisse stellen auch die Zertifizierung vor neue Aufgaben. Vor einer Nachzertifizierung muss geprüft werden, ob ein Weg weiterhin den Kriterien entspricht oder ob Umleitungen und andere Anpassungen notwendig sind. Auch der Mullerthal Trail in Luxemburg steht für diesen Umgang mit Veränderungen. Der rund 112 Kilometer lange Weg ist als „Leading Quality Trail – Best of Europe“ ausgezeichnet. Auch das europäische Qualitätssystem der Europäischen Wandervereinigung setzt hohe Anforderungen an Wegemanagement und Infrastruktur.
„Die Pflege der Wege ist anspruchsvolle Arbeit. Gerade nach Starkregen, Waldschäden oder Bränden“, Liane Jordan, Leiterin des Qualitätsmanagements „Wanderbares Deutschland“
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Leading Quality Trails – Best of Europe Leading Quality Trails (LQT) setzen europaweite Standards für Spitzenwanderwege. Das Zertifikat der Europäischen Wandervereinigung garantiert höchstes Niveau im Wegemanagement und in der Infrastruktur. In Deutschland gehören beispielsweise der Moselsteig und der Donauberglandweg zu den nach diesen Kriterien erfassten Wegen. Ein herausragendes Beispiel ist der Mullerthal Trail in Luxemburg, der das Siegel seit 2014 durchgängig trägt. Er beweist besondere Klimaresilienz durch professionelles Krisenmanagement bei Extremwetter. Diese Wege bieten Wandernden Verlässlichkeit und ein Naturerlebnis auf internationalem Top-Niveau.
Mit den Hiwweltouren, der Venntrilogie, der Region Edersee und dem Mullerthal Trail in Luxemburg wurden in Düsseldorf Wanderziele ausgezeichnet, die zu jeder Jahreszeit attraktiv sind. Das gilt allgemein auch für das Urban Hiking, welches DWV-Geschäftsführer Dr. Bernd Hartmann in seinem Vortrag thematisierte.
Um die Kontrolle und Dokumentation zu erleichtern, setzt der Deutsche Wanderverband zunehmend auf digitale Werkzeuge. Die Q-App ermöglicht es, Qualitätsmerkmale und Veränderungen direkt im Gelände georeferenziert zu erfassen. Damit lassen sich Informationen über den Zustand eines Weges systematisch dokumentieren und später wieder abrufen. Für die Verantwortlichen vor Ort kann das die Arbeit erleichtern. Für Wandernde liegt der Vorteil darin, dass Veränderungen schneller erkannt und Informationen über Wege aktualisiert werden können. Die Technik ersetzt dabei nicht die Menschen, die Wege markieren, kontrollieren und pflegen. Sie unterstützt deren Arbeit. Das gilt insbesondere für die zahlreichen ehrenamtlich Tätigen, die einen großen Teil der Wanderinfrastruktur in Deutschland betreuen. Qualität entsteht nicht erst bei der Zertifizierung in Düsseldorf, sondern über das ganze Jahr draußen im Gelände.
Die Zertifikate, die in Düsseldorf überreicht wurden, sind weniger Endpunkt als Arbeitsauftrag. Ein Qualitätsweg muss sich im Gelände bewähren. Eine Qualitätsregion muss ihre Angebote dauerhaft entwickeln. Und angesichts von Klimawandel und Extremwetter muss beides zunehmend auch auf Veränderungen reagieren können.
„Wandern ist keine Freizeitaktivität für einzelne Jahreszeiten, sondern ein Angebot, das Regionen über das ganze Jahr hinweg nutzen können“, Dr. Bernd Hartmann, Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes
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Das Fachprogramm auf dem Caravan Salon 2026 hat neue Wege für den Tourismus aufgezeigt. Ein zentrales Thema war die Wanderregion 365. Dabei wird Wandern als Impuls für resiliente Destinationen genutzt, um eine ganzjährige Wertschöpfung zu erreichen. Dazu gehören Winterwandern als Alternative zum klassischen Wintersport in Regionen wie dem Erzgebirge sowie Gesundheitswandern und Pilgern. Neue Formate wie Urban Hiking in Städten oder das Programm Work und Hike für junge Berufstätige verbinden Naturerlebnis mit modernem Lebensstil. Ziel ist es, das Wandern für kommende Generationen attraktiv zu machen und die regionale Entwicklung nachhaltig zu stärken.
Die Qualitätsarbeit des DWV reicht zugleich über einzelne Wege hinaus. Dr. Bernd Hartmann, Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes, sieht im Wandern einen Ansatz für eine ganzjährige Entwicklung von Destinationen. „Wandern verbindet Bewegung, Naturerlebnis und regionale Wertschöpfung“, sagt Hartmann. Deshalb müsse Wandern stärker als Teil einer langfristigen regionalen Strategie betrachtet werden. Die Idee einer „Wanderregion 365“ setzt genau dort an. Winterwandern kann etwa in Regionen wie dem Erzgebirge eine zusätzliche Perspektive neben klassischen Wintersportangeboten eröffnen. Gesundheitswandern, Pilgern, Urban Hiking oder Work and Hike sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Wandern wird nicht mehr nur als Freizeitaktivität für einzelne Jahreszeiten verstanden, sondern als Angebot, das Regionen über das ganze Jahr hinweg nutzen können.