Wandern ist ein wunderbarer Sport, der unabhängig vom Alter und körperlicher Kondition Spaß macht. Gerade für Menschen die auf sanfte Art und Weise ihre Ausdauer trainieren und ihre allgemeine Fitness verbessern möchten, ist Wandern ideal. Da es außerdem nur wenig Ausrüstung braucht und tolle Wanderwege oft ganz in der Nähe sind, ist der Einstieg ins Wandern besonders niedrigschwellig. Nicht zuletzt durch die Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben viele Menschen in Deutschland diesen tollen Natursport für sich entdeckt.
 Für alle, die sich Tipps zum Einstieg ins Wandern wünschen, haben wir hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Langsam anfangen

Wie bei jeder Natursportart ist es auch beim Wandern nicht ratsam, sich als Neuling direkt den größten Herausforderungen zu stellen. Im Normalfall ist Wandern zwar kein gefährlicher Sport, aber nicht jeder Wanderweg ist für Wanderneulinge geeignet. Wer sich gänzlich untrainiert und ohne die nötigen Vorbereitungen an anspruchsvolle, schwierige Touren wagt, erlebt die Wanderung vermutlich eher als beschwerlich, kräftezehrend und frustrierend statt als Spaß und riskiert möglicherweise sogar körperliche Verletzungen. 

Wanderneulinge sollte es daher am Anfang langsam angehen lassen und sich mit der Zeit steigern. Wie schnell oder langsam das passiert, ist ganz individuell. Es ist überhaupt kein Problem, sich Zeit zu lassen und sich erst mit der Zeit an anspruchsvollere Wanderstrecken heran zu wagen.

© A. Hub / Deutscher Wanderverband

Streckenplanung

Wer ganz frisch mit dem Wandern anfängt und daneben nur wenig Sport macht, sollte mit kurzen Strecken in ebenem oder leicht hügeligem Gelände und ausreichend Zeit starten. Als Faustregel für die Tourenplanung gilt: 300 Höhenmeter bergauf, 500 Höhenmeter bergab und 4 Kilometer auf ebenen Strecken schaffen erwachsene Wandernde durchschnittlich pro Stunde. Für Wanderneulinge ist eine Strecke von 5 bis 10 Kilometer mit leichten Steigungen ein guter Start. Natürlich sollte auch ausreichend Zeit für Pausen eingeplant werden.

 

Wenn Kinder mit dabei sind, sollte die Streckenplanung entsprechend angepasst werden. Wer sich unsicher ist, welche Distanz Kinder gut zurücklegen können, kann sich an dieser Formel orientieren:

Alter des Kindes x 1,5 = Maximalwert der Distanz in Kilometern

Beispiel: Ein sechsjähriges Kind kann also eine Strecke von maximal 9 Kilometern zurücklegen. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, wie fit das Kind ist und ob es Spaß am Wandern hat. 

Es ist außerdem sinnvoll, mehr Pausen einzuplanen und eine Wanderstrecke zu wählen, die Kinder Spannung und Abwechslung bietet. Ein Bach oder Seeufer zum Planschen oder ein paar Felsen zum Klettern kommen bei vielen Kindern gut an.

Tipps für die Streckenplanung:

 

-  Viele unserer kurzen Qualitätswege Wanderbares Deutschland sind gut geeignet für Wandereinsteiger*innen. Über die Filterfunktion (Schwierigkeitsgrad, Höhenmeter, Strecke und Dauer) kann gezielt nach dem passenden Weg gesucht werden.

 

-  Die kurzen Qualitätswege Wanderbares Deutschland – familienspaß sind im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet für Wanderungen mit Kindern. Hier gibt es Spiel, Spaß und Spannung unterwegs.

 

-  Der Deutsche Alpenverein hat einen Gehzeitrechner entwickelt, mit dem – wie der Name schon sagt – die Dauer einer geplanten Tour berechnet werden kann. 

 

-  Der örtliche Wanderverein ist ein wunderbare Anlaufstelle, um Informationen rund um das Thema Wandern vor der eigenen Haustür zu erhalten. Die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Wanderverbands leisten wichtige Arbeit und unterstützen Wanderinteressierte gern. 

 

- Wer Lust auf eine geführte Wandertour mit gezielten Bewegungs- und Entspannungsübungen hat, ist beim DWV-Gesundheitswandern© goldrichtig. Speziell ausgebildete DWV-Gesundheitswanderführer*innen© leiten die Gruppe an und vermitteln wertvolles Wissen zu den Themen Gesundheit und Bewegung.

Gemeinsam die Aussicht genießen
Gemeinsam die Aussicht genießen © Deutscher Wanderverband/Erik Neumeyer

Die richtige Ausrüstung

Gut sitzende Wanderschuhe sind das A und O jeder Wanderausrüstung. Das sollten auch Wandereinsteiger*innen berücksichtigen und sich am besten in einem Fachgeschäft beraten lassen. Für die ersten, kurzen Wandertouren im flachen Gelände reichen auch gut sitzende Sportschuhe mit profilierter und rutschfester Sohle. Sobald längere Wanderungen anstehen, sollte unbedingt zu Wanderschuhen gewechselt werden! Wichtig: Vor der ersten längeren Tour müssen die Schuhe eingelaufen sein.

Zusätzlichen Komfort bieten spezielle Wandersocken. Anders als normale Baumwollsocken nehmen sie Feuchtigkeit besser auf und halten so den Fuß trocken. Zudem sind sie am Fußballen sowie an der Ferse gepolstert und schützen so vor Blasen.

Ebenso wichtig ist ein passender Rucksack, um alle nötigen Utensilien für unterwegs gut verstauen zu können. Ein guter Wanderrucksack sollte anatomisch geformt sein, ein System zur Rückenbelüftung und gepolsterte Schultergurte haben.

Auch hier lohnt sich eine professionelle Beratung, damit der Rucksack möglichst guten Tragekomfort bietet. Im Fachgeschäft können sich Kund*innen zudem zeigen lassen, wie sie den Rucksack richtig einstellen.

Gerade bei längeren Wanderungen ist außerdem Funktionskleidung sinnvoll. Dazu gehört Funktionsunterwäsche, eine Fleece- oder Isolationsjacke und eine Wanderhose. Gut bewährt hat sich das Zwiebelprinzip: Dabei werden mehrere Kleidungsschichten übereinander getragen, so dass je nach Temperatur und Wetterlage Kleidungsstücke aus- und wieder angezogen werden können. 

Je nach Wetterlage kann es ratsam sein, eine zusätzliche Regenjacke mitzunehmen. Bei eisigen Temperaturen bitte Mütze, Schal und Handschuhe nicht vergessen!

Um die Trittsicherheit zu erhöhen, bieten sich Wanderstöcke an. Sie helfen, auch bei unebenen, rutschigen Wegstellen das Gleichgewicht zu halten. Gerade für Menschen, die dazu neigen, leicht zu stützen, können die Stöcke sinnvoll sein.

Das richtige Schuhwerk ist entscheidend.
Das richtige Schuhwerk ist entscheidend. © A. Hub / Deutscher Wanderverband

Wettervorhersage beachten

Vor der Wanderung die Wettervorhersage prüfen, ist Pflicht – auch für Wanderanfänger*innen! Unvorbereitet in einen Wetterumschwung zu geraten, ist im besten Fall ungemütlich, im schlimmsten Fall sogar sehr gefährlich, zum Beispiel bei Gewitter, starkem Wind oder dichtem Nebel. Auch Hitze kann – je nach körperlicher Verfassung und Schwierigkeitsgrad der Wanderung – gefährlich sein. Je nach Wetterlage sollte die Wanderung also angepasst oder vielleicht sogar verschoben werden.

Gerade im Herbst und Winter ist es außerdem sinnvoll, zu beachten, dass es früh dunkel wird. Es ist wesentlich schöner, in den Morgenstunden aufzubrechen und noch bei Tageslicht am Ziel anzukommen statt zu spät loszugehen und dann im Dunkeln herumzustolpern. 

Perfektes Wanderwetter
Perfektes Wanderwetter © A. Hub / Deutscher Wanderverband

Orientierung

Um den Einstieg zu erleichtern, bietet es sich an, auf gut ausgeschilderten Wegen wandern zu gehen. Die Gefahr sich zu verlaufen, ist dort relativ gering. Sobald die Wandertouren anspruchsvoller werden und durch raueres Gelände führen, sollten sich Wandernde jedoch gut darüber informieren, wie sie sich mit Hilfe von Wanderkarten – in Papierform und/oder digital – orientieren können. Auch der Umgang mit GPS-Geräten will gelernt sein. 

© A.Hub

Essen und Trinken für unterwegs

Um unterwegs genug Energie zu haben, ist die Verpflegung essentiell - auch bei kurzen Wanderungen. 1,5 Liter Flüssigkeit sollten auf jeden Fall eingepackt werden. Gut geeignet sind dafür Wasser, (leicht gesüßte) Kräutertees oder Saftschorlen (idealerweise im Verhältnis 1:1 gemischt). Tipp: Lieber regelmäßig einige Schlucke trinken statt eine große Menge auf einmal. So bleibt der Körper durchgängig gut mit Flüssigkeit versorgt.

Als Essen für unterwegs sind belegte (Vollkorn-)Brote eine gute Idee. Wer mag, kann außerdem klein geschnittenes Obst (z.B. Äpfel oder Birnen) oder etwas Rohkost (z.B. Möhren, Gurke, Paprika, etc.) mitnehmen. Auch Nussmischungen sind ein guter Snack für unterwegs. 

Auch wenn geplant ist, unterwegs ein Restaurant oder Café zu besuchen, sollte zur Sicherheit etwas Verpflegung (vor allem etwas zu trinken!) mitgenommen werden. Lieber eine Notfall-Ration einpacken, als unterwegs schlapp zu machen!

 

Tipp: Der Deutsche Wanderverband zeichnet Gastronomiebetriebe, die speziell auf die Bedürfnisse von Wandernden ausgerichtet sind und ihnen einen besonderen Service bieten, als "Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland - gastronomie" aus. 

Gesund naschen
Gesund naschen © A. Hub / Deutscher Wanderverband

Respektvoller Umgang miteinander und mit der Natur

Wer auf Wanderwegen unterwegs ist, trifft nicht nur auf fantastische Naturräume, sondern mitunter auch auf zahlreiche andere Natursportler*innen bzw. Naturnutzer*innen. Um Naturräume zu schützen und allen Menschen einen guten Aufenthalt in diesen zu ermöglichen, ist ein respektvoller Umgang miteinander essentiell.

 

-  Wanderwege sollten möglichst nicht verlassen werden. Wenn es sich doch einmal nicht vermeiden lässt, bitte darauf achten, die Pflanzen in der Umgebung nicht mutwillig zu zertreten oder abzureißen. Das gilt auch für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen.

-  Wildtiere bitte nicht stören.

-  Wenn mit Hunden gewandert wird, sollten diese nicht einfach frei herumlaufen, sondern angeleint sein, nicht nur zum Schutz von Wildtieren, sondern auch, weil andere Wandernde möglicherweise Angst vor Hunden haben.

-  Müll sollte nicht in die Natur geworfen, sondern wieder mit nach Hause genommen werden. Das gilt insbesondere für Plastikmüll, aber auch für Essensreste. Herumliegender Müll schadet nicht nur der Natur, sondern ist auch den Mitmenschen gegenüber respektlos.

-  Freundlichkeit und Höflichkeit gegenüber anderen Menschen sollte natürlich auch auf Wanderwegen selbstverständlich sein. Von einem guten Miteinander profitieren alle – umso besser, wenn auch alle dazu beitragen.

© A. Hub / Deutscher Wanderverband