Wer im 30. Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit auf den Spuren der deutschen Teilung wandern will, sollte das Grüne Band besuchen. Zum Beispiel entlang der Werra (Foto). Im Frankenwald geht das auch in Begleitung von Zeitzeugen.

Zum 30-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit führen viele Wanderungen entlang der Spuren der einstigen Teilung. Auf dem Grünen Band, dem ehemaligen Grenzgürtel zwischen Ost und West, können Wanderinnen und Wanderer zugleich mehr als 1.200 geschützte Arten erleben– darunter Insekten, Amphibien, Vögel und Säugetiere.

„Im Jubiläumsjahr bieten wir regelmäßig geführte Wanderungen entlang des fast 100 Kilometer langen Harzer Grenzweges an. Hier erleben Wanderer die Zeugnisse der deutschen Teilung ebenso wie wertvolle Biotope und vielfältige Landschaften."
Annett Drache, Geschäftsführerin des Harzklubs

Der Weg startet am Grenzturm Rhoden im Norden und führt auf dem früheren Kolonnenweg, auf verschwiegenen Grenzpfaden bis auf den höchsten Gipfel Norddeutschlands, den Brocken. Von dort hinab geht es vorbei an wertvollen Bergwiesen und Bachtälern bis in die Südharzer Gipslandschaft.

Harzer Grenzweg Teil des Grünen Bandes

Der Harzer Grenzweg ist Teil des Grünen Bandes. Dieses folgt 1.393 Kilometer dem ehemaligen Grenzstreifen von der Ostsee durch Harz und Thüringer Wald bis zum Vogtland. Während der deutsch-deutschen Teilung fanden entlang der innerdeutschen Grenze zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsraum. Dies erkannten Naturschützer aus Ost und West gleichermaßen und riefen auf Initiative des BUND direkt nach dem Mauerfall, im Dezember 1989, das „Grüne Band Deutschland“ aus. Seitdem arbeitet der BUND zusammen mit vielen Ehrenamtlichen und Akteuren vor Ort sowie mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz an der Erhaltung und dem umfassenden Schutz des längsten Biotopverbundes Deutschlands.

 

Längster Biotopverbund Deutschlands 

Die Artenvielfalt entlang des Grenzgürtels ahnten Fachleute schon früh. Bereits 1979 erspähten Ornithologen an der Grenze nahe Coburg andernorts ausgestorbene Vögel wie Braunkehlchen und Birkenzeisig, die sich in die Abgeschiedenheit von Sperrzone und Todesstreifen zurückgezogen hatten. Mit Ausnahme der alpinen Höhenstufe durchläuft das Grüne Band die für Deutschland typischen Naturräume – Altgrasfluren und Auenwälder, Seen und Sümpfe, Niederungen und Gebirge. Auf den meist 50 bis 200 Meter breiten Grenzgürtel haben sich mehr als 1.200 geschützte Arten gerettet – darunter Insekten, Amphibien, Vögel und Säugetiere

Das Grüne Band folgt 1.393 Kilometer dem ehemaligen Grenzstreifen von der Ostsee durch Harz und Thüringer Wald bis zum Vogtland. Während der deutsch-deutschen Teilung fanden entlang der innerdeutschen Grenze zahlreiche Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsraum.

Das Grüne Band ist an vielen Orten zu erleben. Im Frankenwald etwa sind im Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit geführte Radtouren entlang der einstigen Grenze geplant. Auch Wanderer können das ehemalige „Zonenrandgebiet“ zusammen mit Zeitzeugen erkunden. Damalige Grenzsoldaten – jeweils einer aus der ehemaligen DDR und einer aus der damaligen Bundesrepublik – führen die Gäste entlang des einstigen Todesstreifens. 

„Es kann sein, dass zwei Wanderführer zusammenkommen, die sich vor 40 Jahren bewaffnet gegenüberstanden. Anschaulicher können Besucher die ehemalige Ost- und Westperspektive nicht erleben.“
Markus Franz, Geschäftsführer von Frankenwald Tourismus

Termine für diese besonderen Wanderungen veröffentlicht Frankenwald Tourismus auf www.wandern-im-frankenwald.de. Dort informiert die Organisation auch über die im Jubiläumsjahr angedachte Sternwanderung zum so genannten „Drehkreuz des Wanderns“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, an dem mehrere Fernwanderwege starten beziehungsweise enden. „Genau genommen sind es zwei Drehkreuze, eines auf thüringischer Seite in Blankenstein und eines auf bayerischer Seite in Untereichenstein, verbunden durch die Brücke über die Selbitz“, so Franz. Die Sternwanderung werde die Wanderer unter anderem vom Rennsteig, vom Kammweg sowie dem Frankenweg und Fränkischen Gebirgsweg sowie dem FrankenwaldSteig zusammenführen. 

 

Schon fast traditionell am 3. Oktober gibt es auch eine Sternwanderung auf den Brocken. Natürlich auch zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands. Der höchste Berg Norddeutschlands lag während der deutschen Teilung im Sperrgebiet und war deswegen weder für die Menschen im Westen noch für die meisten Bewohner im Osten erreichbar. Am 3. Oktober 2020 erinnert der Harzklub zum 30. Mal mit geführten Wanderungen und einer Gedenkfeier an die Wiedervereinigung. Annett Drache: „Heute ist die Deutsche Einheit für uns selbstverständlich. Umso mehr ist es wichtig, an die Zeit zu erinnern, als eine unüberwindbare Grenze den Ost- und den Westteil des Harzes voneinander trennte und der Brocken in weite Ferne gerückt war.“ Drache freut, dass Christine Lieberknecht, ehemalige Ministerpräsidentin Thüringens und Präsidentin des Thüringer Wanderverbandes, bereits zugesagt hat, während der Festveranstaltung auf dem Brocken im Goethesaal an das Jubiläum zu erinnern. 

 

Der Harzklub war der erste Verein, der sofort nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze wieder flächendeckend aktiv war. „Wir wollten damals den Wandertourismus länderübergreifend neu beleben. Das ist heute Wirklichkeit“, so die Harzklub-Geschäftsführerin.

Rund 1.080 Kilometer Wanderweg der Deutschen Einheit

Nicht immer an der ehemaligen Grenze aber dennoch passend zum Thema unterwegs sind Wanderinnen und Wanderer auch auf dem Wanderweg der Deutschen Einheit. Der rund 1.080 Kilometer lange Weg startet in der Stadt Görlitz im Osten und endet in Aachen im Westen Deutschlands. Dabei führt er ausschließlich über bereits vorhandene Weitwanderwege, etwa den Kammweg in der Oberlausitz oder den Rennsteig im Thüringer Wald. Der Sauerländische Gebirgsverein hat die „Schirmherrschaft“ übernommen über diesen Weg, der helfen soll, Menschen aus Ost und West zusammenzuführen.

Jens Kuhr